Therapieplatzsuche für gesetzlich Versicherte

Für gesetzlich versicherte Patienten bietet die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns zur Vermittlung von Psychotherapieplätzen eine sogenannte Patienten-Infoline.
Trotz dieser Hilfestellung ist die Suche nach einem Psychotherapie-Platz oft mit vielen Absagen und langen Wartezeiten verbunden. Aufgrund dieser Situation hat die Bundespsychotherapeutenkammer in diesem Jahr eine Broschüre zur sogenannten Kostenerstattung im Rahmen einer ambulanten Psychotherapie veröffentlicht. Die Broschüre „Ratgeber Kostenerstattung“ klärt gesetzlich Versicherte, die aufgrund langer Wartezeiten Schwierigkeiten haben, einen Therapieplatz zu finden, über alternative Möglichkeiten durch psychotherapeutische Behandlung in einer Privatpraxis auf.
Allgemeine Informationen zum Thema Pychotherapie (Ablauf, Verfahren etc.) finden sich für Patienten auf der Homepage der Psychotherapeutenkammer Bayerns.

Exposition bei Panik: Üben lohnt sich!

In der Behandlung von Panikstörungen hat sich die kognitive Verhaltenstherapie bereits in vielen Untersuchungen als wirksam erwiesen. Die Therapie setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen: Grundlage bilden Informationen zur Panikstörung (sogn. Psychoedukation), das Verstehen der eigenen, ganz individuellen Störungsentwicklung, kognitive, d.h. mentale Strategien, im Umgang mit der Angst sowie die Bearbeitung der Lernmuster im eigenen Leben.
Ein weiterer, sehr wichtiger Therapiebaustein, um Panik und Angst zu bewältigen, ist die sogenannte Exposition. Sie bildet die verhaltensbezogene, d.h. die sogenannte behaviorale Komponente der Verhaltenstherapie. In der Exposition konfronitiert sich der Betroffene mit Unterstützung des Psychotherapeuten und anfangs in seiner Begleitung mit Situation/en, die Angst auslösen.

Anteil und Ausmaß von Expositionsübungen in Therapien variieren jedoch sehr. Wambach und Rief stellten sich die Frage, wie hoch der Nutzen von mehr oder weniger Exposition in einer wirksamen Therapie ist. In ihrer aktuellen Studie verglichen sie 2 Therapiegruppen in einem stationären, kognitiv-verhaltenstherapeutischen Gruppen-Programm für Patienten mit Panikstörung. Die eine Patientengruppe führt einen Tag lang therapeutisch begleitetes Expositionstraining durch, die andere Gruppe übte zwei Tage. In beiden Gruppen besserten sich die Symptome ganz deutlich. In der Gruppe mit dem größeren Expositionsumfang waren die Therapieerfolge nach einem Jahr zudem noch stärker als bei der anderen.

Die Studie belegt erneut die Wirksamkeit kognitiv-verhaltenstherapeutischer Behandlung, und zeigt, dass sich ein erhöhter Aufwand für Expositionsübungen lohnt.
Das ist gut zu wissen, denn für Betroffene ist gerade die Angst vor der Exposition sehr groß und unter Umständen sogar ein Hinderungsgrund, sich für eine Verhaltenstherapie zu entscheiden. Daher liefert die Studie auch wichtige Ergebnisse für die Therapiemotivation.

 
Quelle: Wambach, K. & Rief, W. (2012). Effekte kognitiver Verhaltenstherapie bei Panikstörung: Mehr Exposition bringt stabilere Therapieerfolge. Verhaltenstherapie, 22(2), 95-105.

Zu viel Helfen kann krank machen

In seinem Workshop zum Thema Psychneurooimmunologie und Psychotherapie schilderte Professor Schubert (Univ.-Klinik für Medizinische Psychologie, Medizinische Universität Innsbruck) eindrücklich den Einfluss von Stress auf die Immunsystem und Psyche. Dabei berichtete er unter anderem von Studien (z.B. Kiecolt-Glaser et al., 2003), in denen die aufopfernde Pflege von demenzkranken Angehörigen selbst nach Versterben der Angehörigen zu irreversiblen Beeinträchtigungen des Immunsystems sowie zu vorzeitigem Altern um mehrere Jahre führte.
Diese Ergebnisse weisen deutlich daraufhin, wie wichtig es in der Pflege von Angehörigen ist, die eigenen Belastungsgrenzen zu erkennen, mögliche Schuldgefühle zu überwinden und Hilfe von Dritten in Anspruch zu nehmen.

Quelle: Schubert, Christian: Workshop Psychoimmunologie und Psychotherapie im VFkV e.V. München, 02. Mai. 2012.