Un-/gesunde Arbeitsbedingungen

Die Arbeitsbedingungen von Beschäftigten untersucht Rolf Haubl, Professor für psychoanalytische Sozialpsychologie mit seinen Kollegen der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt und der Technischen Universität Chemnitz, so berichtet die Frankfurter Rundschau online.

Ihre Studie beruht auf der Befragung von Supervisoren/Beratern in Unternehmen und zeigt: Erlebter Leistungsdruck scheint vorherrschend (ca. 90% mit Tendenz steigend im Vergleich zu Studienergebnissen aus früheren Jahren). Auffällig sei, dass viele Beschäftigte sich nicht ausreichend gewürdigt und gelobt fühlen. Aus mangelnder Leistungsgerechtigkeit entstehe Überforderung. Aus Überforderung und mangelnder Anerkennung entstünden wiederum psychische Belastungen, depressive Symptome und Erschöpfungssymptome/Burnout.

Vier Faktoren können psychische Erkrankungen abpuffern, so Haubl: Soziale Anerkennung, Leistungsgerechtigkeit, Kollegialität und Führungskompetenz.
Soziale Anerkennung meint das Gefühl zu erhalten, wichtig, nützlich und wertvoll zu sein. Es bedeutet, als Person gesehen zu werden, z.B. vom Vorgesetzten mit dem Namen angesprochen zu werden oder zum Geburtstag gratuliert zu bekommen.
Leistungsgerechtigkeit bedeutet, angemessene Bezahlung zu erhalten. Auch die Bezahlung von Überstunden zählt hierzu. Als weitere Faktoren benennt Haubl Kollegialität und Führungskompetenz, d.h. Orientierung sowie Halt durch die Führungskraft.

Aufgrund der wirtschaftlichen Lage und damit erlebter Unsicherheit steigt jedoch aus Angst vor der Arbeitslosigkeit die Bereitschaft zur Selbstausbeutung. Es käme zu sogenanntem Präsentismus. Das bedeutet, dass Angestellte sich bei Krankheit nicht auskurieren, sondern trotzdem bei der Arbeit erscheinen, um nicht negativ aufzufallen.
Um solchen sowohl Personen, als auch ein System krankmachenden Bewegungen entgegen zu wirken, rät Haubl zu nachhaltiger Personalpolitik.

So zeigt auch diese Untersuchung ganz akut, dass Gesundheitsmanagement auf allen Unternehmensebenen eine wichtige Maßnahme in Unternehmen darstellt. Gleichzeitig ist jeder einzelne auch in seiner Eigenverantwortung und Selbstfürsorge gefragt.

Quelle: http://www.fr-online.de/campus/burnout–stress-und-depression-wenn-arbeit-krank-macht,4491992,16939526.html

Was motiviert Workaholics?

Die Motivation von Workaholics besser zu verstehen, ist das Ziel einer Studie von Van den Broeck und Kollegen.

Für Workaholics spielt Arbeit eine extreme Rolle im Leben. Während auch andere Menschen lange Arbeitszeiten vorweisen, z.B. wegen Termindruck etc., zeichnen sich Workaholics durch einen starken inneren Drang zum Arbeiten aus. Sie beschäftigen sich gedanklich stark mit der Arbeit, was als kognitive Komponente des Workaholic-Konzeptes bezeichnet wird, z.B. “zwanghaftes/getriebenes Arbeiten”, “working compulsively. Das exzessive Arbeiten selbst wird als Verhaltens-Komponente bezeichnet (hierzu zitieren die Autoren vor allem Arbeiten von Schaufeli und Kollegen).
Allgemein ist bekannt, dass Workaholics häufiger erkranken als Nicht-Workaholics, und berichten vor allem mehr über Stress, Burn-out und negative Stimmung.

Als wichtige Ergebnis ihrer Studie finden Van den Broeck und Kollegen folgendes heraus: Exzessives Arbeiten ist eher autonom motiviert und kann sogar zu Wohlbefinden führen. Trotz eingeschränkter Wahlmöglichkeiten kann eine für das Wohlbefinden förderliche Motivation z.B. durch Empathie, Handlungsmöglichkeiten und Erklärungen erreicht werden. Der krankmachende Faktor hingegen liegt wohl vor allem in der kognitiven Komponente, dem kontrolliert-motivierten, zwanghaften, inneren Drang nach Arbeit. Demnach ist nicht bloß das Motivations-Ausmaß wichtig. Vor allem die Art der Motivation nimmt Einfluss auf die Gesundheitsgefährdung von Workaholics.

Quelle: Van den Broeck, A., Schreurs, B., De Witte, H., Vansteenkiste M., Germeys, F., & Schaufeli, W. (2011). Understanding workaholics’ motivations: A self-Determination perspective. Applied Psychology, 60(4), 600-621.