Führungskräfte und Denkstrategien: Ist das Glas halb voll oder halb leer?

Führungskräfte tragen bedeutend zur In-/Effektivität von Unternehmen bei. Sie pflegen Beziehungen, motivieren andere und treffen Entscheidungen. Ihre Entscheidungsprozesse finden in einer sehr komplexen Umgebung statt – einem Arbeitsumfeld, geprägt von Störungen, Widersprüchen, ständigen Veränderungen und Risiken für Unternehmen und seine Angestellte. In diesem alltäglichen „Chaos“ müssen Führungskräfte Unsicherheit reduzieren und für Lösungen sorgen. Mögliche Einflussfaktoren und Konsequenzen sind extrem vielfältig.
Kurzum: Von Führungskräften ist komplexes Denken gefordert!

Welcher Denkstil besonders erfolgreich ist, dieser Fragestellung  widmen sich die Autoren Antes und Mumford in ihrer Studie.
Die amerikanischen Wissenschaftler unterscheiden drei übergeordnete Denkstile:
1. „Das Glas ist halb voll“ – „stay positive“:
Hier liegt der Denkfokus auf dem Positiven. Der Denkstil ermutigt zur Suche nach Chancen und Möglichkeiten. Er fördert kreatives Denken und neue Ideen bzgl. Werten, Nutzen und sozialen Aspekten. Er erhöhte die Risikobereitschaft, um neue Ziele und Ideen auch zu erreichen.
2. „Das Glas ist halb leer“ – „avoid catastrophy“:
Der Denkstil dient der Katastrophenabwehr. Mit kritischem, analytischem Blick werden mögliche Risiken fokussiert und, wie man sie verhindern kann. Dieser Denkstil verbraucht viele gedankliche Ressourcen, um komplexe Sachverhalten und ihre vorhersagbaren Faktoren, wie Kapazitäten und Ressourcen, abschätzen zu können – so, wie beim Problemlösen nötig.
Beide Denkstile sind für sich allein doch recht statisch. Daher empfehlen die Autoren…
3. „balanced thinking“:
Es bedeutet Balance zwischen positiver und negativer Betrachtungsweise für eine umfassendere Betrachtung der relevanten Faktoren eines Problems. Allgemein zeigen die Wissenschaftler, dass „balanced thinking“ zu Lösungen mit besserer Qualität führt (Logik, Problem umfassend erkannt, Lösung umsetzbar und nützlich).
Sie empfehlen zudem: Erscheint das Ergebnis eines Problems oder einer Fragestellung offensichtlich positiv, so ist auch zu reflektieren, welche Fehler und Risiken auftauchen und wie sie abgewendet werden könnten. Steht die „Katastrophenabwehr“ im Vordergrund, so sollte darüber hinaus auch bewusst nach Chancen und Fortschritt gesucht werden.
Zudem erhält „balanced thinking“ eher die mentale Frische im Vergleich zu rein positivem Denken und gilt somit als förderlicher für das allgemeine Wohlbefinden.
Demnach sollte das „Glas als halb voll und halb leer“ betrachtet werden.
Etwas kniffelig und spannend sind folgende Einzelergebnisse: Zum Beispiel kann die originellste Lösung eines Problems dann aus dem komplett-negativen Denkstil „avoid catastrophy“ entstehen, wenn die Problem-Ursachen in erster Linie in Außenfaktoren gesehen werden – sogenannte externale Attribution der Verantwortlichkeit. Umgekehrt: Der rein negative Denkstil löst absolut unproduktive Gedanken aus, wenn die Testperson sich selbst als hauptverantwortlich einschätzt – internale Attribution der Verantwortlichkeit. Ähnliche gedankliche Prozesse finden sich auch im Rahmen einer Depression.
Die Ergebnisse zeigen: Die Untersuchung von Denkstilen ist sehr komplex. Unterschiedliche Aufgaben erfordern verschiedene Denkstile, um erfolgreich zu sein. Hier besteht noch ein weites Feld für Forschung. Die eigene Beobachtung im Alltag lohnt sich sicherlich auch.

Quelle: Antes, A.L. & Mumford, M.D. (2011). Strategies for leader cognitions: Viewing the glass ”half full“ and ”half empty“. The Leadership Quarterly, 23,425-442.

Was motiviert Workaholics?

Die Motivation von Workaholics besser zu verstehen, ist das Ziel einer Studie von Van den Broeck und Kollegen.

Für Workaholics spielt Arbeit eine extreme Rolle im Leben. Während auch andere Menschen lange Arbeitszeiten vorweisen, z.B. wegen Termindruck etc., zeichnen sich Workaholics durch einen starken inneren Drang zum Arbeiten aus. Sie beschäftigen sich gedanklich stark mit der Arbeit, was als kognitive Komponente des Workaholic-Konzeptes bezeichnet wird, z.B. “zwanghaftes/getriebenes Arbeiten”, “working compulsively. Das exzessive Arbeiten selbst wird als Verhaltens-Komponente bezeichnet (hierzu zitieren die Autoren vor allem Arbeiten von Schaufeli und Kollegen).
Allgemein ist bekannt, dass Workaholics häufiger erkranken als Nicht-Workaholics, und berichten vor allem mehr über Stress, Burn-out und negative Stimmung.

Als wichtige Ergebnis ihrer Studie finden Van den Broeck und Kollegen folgendes heraus: Exzessives Arbeiten ist eher autonom motiviert und kann sogar zu Wohlbefinden führen. Trotz eingeschränkter Wahlmöglichkeiten kann eine für das Wohlbefinden förderliche Motivation z.B. durch Empathie, Handlungsmöglichkeiten und Erklärungen erreicht werden. Der krankmachende Faktor hingegen liegt wohl vor allem in der kognitiven Komponente, dem kontrolliert-motivierten, zwanghaften, inneren Drang nach Arbeit. Demnach ist nicht bloß das Motivations-Ausmaß wichtig. Vor allem die Art der Motivation nimmt Einfluss auf die Gesundheitsgefährdung von Workaholics.

Quelle: Van den Broeck, A., Schreurs, B., De Witte, H., Vansteenkiste M., Germeys, F., & Schaufeli, W. (2011). Understanding workaholics’ motivations: A self-Determination perspective. Applied Psychology, 60(4), 600-621.

 

Zu viel Helfen kann krank machen

In seinem Workshop zum Thema Psychneurooimmunologie und Psychotherapie schilderte Professor Schubert (Univ.-Klinik für Medizinische Psychologie, Medizinische Universität Innsbruck) eindrücklich den Einfluss von Stress auf die Immunsystem und Psyche. Dabei berichtete er unter anderem von Studien (z.B. Kiecolt-Glaser et al., 2003), in denen die aufopfernde Pflege von demenzkranken Angehörigen selbst nach Versterben der Angehörigen zu irreversiblen Beeinträchtigungen des Immunsystems sowie zu vorzeitigem Altern um mehrere Jahre führte.
Diese Ergebnisse weisen deutlich daraufhin, wie wichtig es in der Pflege von Angehörigen ist, die eigenen Belastungsgrenzen zu erkennen, mögliche Schuldgefühle zu überwinden und Hilfe von Dritten in Anspruch zu nehmen.

Quelle: Schubert, Christian: Workshop Psychoimmunologie und Psychotherapie im VFkV e.V. München, 02. Mai. 2012.

Schokolade lindert die Stressreaktivität

Das haben Forscher der Universität Zürich, Bern und des Inselspitals Bern bestätigt. Zwei Stunden nach dem Verzehr 50 g dunkler Schokolade wurden die Teilnehmer der Studie einem Stresstest unterzogen. Sie mussten vor einem Publikum eine Rede halten sowie im Kopf rechnen. Die Experimentalgruppe schüttete deutlich geringere Mengen des Stresshormons Cortisol aus als die Kontrollgruppe, die nur Placebo-Schokolade bekam. Der Grund sei, dass dunkle Schokolade (72% Kakao) reich an Flavanol ist. Flavanol zählt zu den Flavonoiden. Das sind sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe, die in Kakao, Tee und verschiedenen Früchten, wie Äpfeln, vorkommen. Die Studie zeigt, dass dunkle Schokolade die Cortisol-Stressreaktivität abpuffert und somit den Organismus schützt. Aber auch hier ist es wichtig, das richtige Maß zu finden.

Quelle: Wirtz, P., Meister, R., Arpagaus, A., Kübler, U., Kummer, P., Feijza, L., Treichler, S., Huber, S., von Känel, R., & Ehlert, U. (2012). Verminderte physiologische Stressreaktivität nach einmaliger Gabe von schwarzer Schokolade. In Psychologische Medizin, Abstractband: Deutscher Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie 2012.

„Haaresträubendes“ Basketball-Spiel

Bitte sehen Sie sich das Video unter diesem Link an (ca. weniger als 2 Minuten). Das Video zeigt ein kurzes Basketball-Spiel.

Ihre Aufgabe dabei lautet: Zählen Sie die Anzahl an Spielpässen der Spielerinnen mit weißem T-Shirt. Strengen Sie sich bitte gut an!

Lesen Sie hier erst nach dem Video weiter:

Das Video gibt ein Beispiel für die sogenannte selektive Wahrnehmung. In diesem Beispiel liegt eine mangelnde Aufmerksamkeit gegenüber unerwarteten Reizen vor – selbst dann, wenn diese Reize sehr auffällig oder ungewöhnlich sind. Dieses Experiment kann uns dafür sensibilisieren, was uns eventuell im Alltag entgeht. Dennoch ist selektive Wahrnehmung sehr wichtig für unseren Organismus. Denn unser Organismus wäre ohne „Filtersystem“ mit der Vielzahl an einströmende, teils überflutenden Reizen überfordert.

Quelle: Charbis, C. & Simons D. (2010): Der unsichtbare Gorilla. Wie unser Gehirn sich täuschen lässt. München, Zürich: Piper.
Original-Link unter: http://www.theinvisiblegorilla.com/videos.html