Hypertonie-Prävention: Muskuläres Biofeedback in der Behandlung von Prähypertonie

Prähypertonie bezeichnet eine Vorstufe der sogenannten Hypertonie, d.h. dem Bluthochdruck, und ist ein Risikofaktor für eine spätere Bluthochdruckerkrankung. Alarmierendes fanden McNiece und Kollegen von der Universität Texas-Houston in ihrer Untersuchung an mehreren amerikanischen Schulen heraus: Fast 20% jugendlicher Schüler zeigten deutliche Blutdruckauffälligkeiten (Prä- bzw. Hypertonie).
Eine wichtige Hilfestellung hierzu liefern Xu und Kollegen der Abteilung für Biofeedback (Sun Yat-Sen-Universität China). Sie zeigen in ihrer Studie mit 49 College-Studenten, dass bereits zehn Sitzungen EMG-Biofeedback den systolischen Blutdruck nachweislich senkt. Beim EMG-Biofeedback übt man, verschiedene Muskelgruppen willentlich und bewusst zu entspannen, die sich auch bei Stress anspannen, z.B. Schulter-, Rücken-, Stirn-, Kiefermuskulatur. Zudem wiesen sie eine positive Wirkung auf die sogenannte Herzratenvariabilität nach– ein Zeichen des Herzrhythmus für die Regenerationsfähigkeit des Organismus – sowie auf die Hirnströme (im EEG). Als Wirkfaktor wird der entspannende Effekt von Biofeedback betrachtet, der positiv auf den Organismus wirkt, den sogenannten Parasympathikus im peripheren Nervensystem aktiviert und dadurch die Regeneration fördert.
Die Studie zeigt eindrücklich, wie Biofeedback hilft, erhöhten Blutdruck zu regulieren  und somit gegen Hypertonie gezielt und mit relativ wenig Aufwand vorzubeugen.

Quellen: Xu, X.Y., Gao, J., Ling, D., & Wang, T.H. (2007). Biofeedback treatment of prehypertension: analyses of efficacy, heart rate variability and EEG approximate entropy. Journal of Human Hypertension (2007) 21, 973–975.
McNiece, K.L., Poffenbarger, T.S., Turner, J.lL., Franco, K.D., Sorof, J.M., & Portman, R.J. (2007).
Prevalence of hypertension and pre-hypertension among adolescents. J Pediatr. 2007 Jun; 150(6):640-4, 644.e1

Biofeedback bei der Behandlung des chronischen Erschöpfungssyndroms

Dass Biofeedback auch bei chronischen Erkrankungen wirksam ist, zeigt eine Forschungsgruppe des Universitätsklinikums Tübingen eindrucksvoll. Sie untersuchten in ihrer Pilotstudie die Wirkung von Biofeedback im Vergleich zu sportmedizinischem Bewegungstraining bei dem sogenannten chronischen Erschöpfungssyndrom, auch Chronic Fatigue Syndrome genannt. Dieses führt bei Betroffenen zu massivem Leidensdruck und durch Erschöpfung, Schmerzen, Konzentrationseinbußen etc. zu Einschränkungen in sämtlichen Lebensbereichen.

In der Studie erweisen sich sowohl Biofeedback bereits nach 8 Sitzungen, als auch sportmedizinische Bewegungstherapie als hilfreich, um Erschöpfungssymptomatik und Depressivität zu lindern und somit körperliches und psychisches Wohlbefinden zu verbessern. Besonders stabile Wirkung auch über eine längere Zeitspanne und eine deutlich höhere Akzeptanz des Verfahrens zeigen sich speziell beim Biofeedback, so Dipl.-Psych. Petra Windthorst (Abteilung für psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Tübingen).
Außerdem wird auch in dieser Studie davon ausgegangen, dass Biofeedback typischerweise die sogenannte Selbstwirksamkeitsüberzeugung, d.h. der Glaube an die eigenen Fähigkeiten, steigert und zur Symptomlinderung beiträgt.

Quelle: Windthorst, P., Kuske, M., Giel, K., Enck, P., Zipfel, S., Teufel, M. (2012). Biofeedbacktherapie vs. Sportmedizinische Bewegungstherapie bei chronischem Erschöpfungssyndrom. Vortrag auf der 12. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Biofeedback e.V., 19.-20.10.2012, München.