Arbeitslosigkeit und psychische Belastung – Partner sind psychisch genauso belastet wie die Betroffenen selbst

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin untersuchte die psychische Gesundheit von Betroffenen vor und nach Betriebsschließungen. Das Resultat: Beide – sowohl der/die Betroffene, als auch der/die Partner/in leiden deutlich und etwa im gleichen Ausmaß. Der Gesundheitsexperte Jan Marcus der DIW-Forschergruppe betonte, dass es dabei keinen Unterschied mache, ob die Frau oder der Mann die Stelle verloren habe. Das hat Folgen für die gesundheitliche Versorgung sowie auf die Kosten für das Gesundheitssystem. Hier wurden bisher wohl nur die Betroffenen selbst berücksichtigt. Die Studie greife auf mehrere Tausend Personendaten seit ca. 30 Jahren zurück. Manko der Studie: Lediglich die ersten Monate nach Arbeitsplatzverlust werden untersucht. Die Untersuchung der Langzeitauswirkungen wären ebenfalls sehr wichtig, sowohl im Rahmen der Behandlung psychischer Erkrankungen, aber auch im Bereich des betrieblichen Gesundheitsschutzes und Prävention. Auf jeden Fall machen die Ergebnisse darauf aufmerksam, im Rahmen solch einer Belastung frühzeitig auch psychotherapeutische Unterstützung in Betracht zu ziehen – sowohl als Betroffener als auch als Partner.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt I PP I Heft 6 I Juni 2014, S. 244

Hypertonie-Prävention: Muskuläres Biofeedback in der Behandlung von Prähypertonie

Prähypertonie bezeichnet eine Vorstufe der sogenannten Hypertonie, d.h. dem Bluthochdruck, und ist ein Risikofaktor für eine spätere Bluthochdruckerkrankung. Alarmierendes fanden McNiece und Kollegen von der Universität Texas-Houston in ihrer Untersuchung an mehreren amerikanischen Schulen heraus: Fast 20% jugendlicher Schüler zeigten deutliche Blutdruckauffälligkeiten (Prä- bzw. Hypertonie).
Eine wichtige Hilfestellung hierzu liefern Xu und Kollegen der Abteilung für Biofeedback (Sun Yat-Sen-Universität China). Sie zeigen in ihrer Studie mit 49 College-Studenten, dass bereits zehn Sitzungen EMG-Biofeedback den systolischen Blutdruck nachweislich senkt. Beim EMG-Biofeedback übt man, verschiedene Muskelgruppen willentlich und bewusst zu entspannen, die sich auch bei Stress anspannen, z.B. Schulter-, Rücken-, Stirn-, Kiefermuskulatur. Zudem wiesen sie eine positive Wirkung auf die sogenannte Herzratenvariabilität nach– ein Zeichen des Herzrhythmus für die Regenerationsfähigkeit des Organismus – sowie auf die Hirnströme (im EEG). Als Wirkfaktor wird der entspannende Effekt von Biofeedback betrachtet, der positiv auf den Organismus wirkt, den sogenannten Parasympathikus im peripheren Nervensystem aktiviert und dadurch die Regeneration fördert.
Die Studie zeigt eindrücklich, wie Biofeedback hilft, erhöhten Blutdruck zu regulieren  und somit gegen Hypertonie gezielt und mit relativ wenig Aufwand vorzubeugen.

Quellen: Xu, X.Y., Gao, J., Ling, D., & Wang, T.H. (2007). Biofeedback treatment of prehypertension: analyses of efficacy, heart rate variability and EEG approximate entropy. Journal of Human Hypertension (2007) 21, 973–975.
McNiece, K.L., Poffenbarger, T.S., Turner, J.lL., Franco, K.D., Sorof, J.M., & Portman, R.J. (2007).
Prevalence of hypertension and pre-hypertension among adolescents. J Pediatr. 2007 Jun; 150(6):640-4, 644.e1

Un-/gesunde Arbeitsbedingungen

Die Arbeitsbedingungen von Beschäftigten untersucht Rolf Haubl, Professor für psychoanalytische Sozialpsychologie mit seinen Kollegen der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt und der Technischen Universität Chemnitz, so berichtet die Frankfurter Rundschau online.

Ihre Studie beruht auf der Befragung von Supervisoren/Beratern in Unternehmen und zeigt: Erlebter Leistungsdruck scheint vorherrschend (ca. 90% mit Tendenz steigend im Vergleich zu Studienergebnissen aus früheren Jahren). Auffällig sei, dass viele Beschäftigte sich nicht ausreichend gewürdigt und gelobt fühlen. Aus mangelnder Leistungsgerechtigkeit entstehe Überforderung. Aus Überforderung und mangelnder Anerkennung entstünden wiederum psychische Belastungen, depressive Symptome und Erschöpfungssymptome/Burnout.

Vier Faktoren können psychische Erkrankungen abpuffern, so Haubl: Soziale Anerkennung, Leistungsgerechtigkeit, Kollegialität und Führungskompetenz.
Soziale Anerkennung meint das Gefühl zu erhalten, wichtig, nützlich und wertvoll zu sein. Es bedeutet, als Person gesehen zu werden, z.B. vom Vorgesetzten mit dem Namen angesprochen zu werden oder zum Geburtstag gratuliert zu bekommen.
Leistungsgerechtigkeit bedeutet, angemessene Bezahlung zu erhalten. Auch die Bezahlung von Überstunden zählt hierzu. Als weitere Faktoren benennt Haubl Kollegialität und Führungskompetenz, d.h. Orientierung sowie Halt durch die Führungskraft.

Aufgrund der wirtschaftlichen Lage und damit erlebter Unsicherheit steigt jedoch aus Angst vor der Arbeitslosigkeit die Bereitschaft zur Selbstausbeutung. Es käme zu sogenanntem Präsentismus. Das bedeutet, dass Angestellte sich bei Krankheit nicht auskurieren, sondern trotzdem bei der Arbeit erscheinen, um nicht negativ aufzufallen.
Um solchen sowohl Personen, als auch ein System krankmachenden Bewegungen entgegen zu wirken, rät Haubl zu nachhaltiger Personalpolitik.

So zeigt auch diese Untersuchung ganz akut, dass Gesundheitsmanagement auf allen Unternehmensebenen eine wichtige Maßnahme in Unternehmen darstellt. Gleichzeitig ist jeder einzelne auch in seiner Eigenverantwortung und Selbstfürsorge gefragt.

Quelle: http://www.fr-online.de/campus/burnout–stress-und-depression-wenn-arbeit-krank-macht,4491992,16939526.html

Mit Gelassenheit nichts tun

Es ist Urlaubszeit und endlich haben wir Zeit, ein gutes Buch zu lesen, etwas mehr Sport zu treiben, Hausarbeit zu erledigen, den Keller zu entrümpeln, Freunde einzuladen und auch ein bisschen nichts zu tun. Das ist das, was sich wohl die meisten Menschen vornehmen. Doch meistens tun wir von allem ein bisschen und am meistens von nichts. Nur bedauerlich, dass einen dabei oft das schlechte Gewissen quält – so sehr, dass sich die Süddeutsche Zeitung in ihrer „Gefühlten Wahrheit“ damit beschäftigt. Oder wie es die Mindfulness-Bewegung nach Kabat-Zinn anstrebt: Sich wirklich nur auf das konzentrieren, was man gerade tut – in dem Fall eben nichts. Da wäre es doch ein gutes Urlaubsvorhaben, Nichtstun frei von Reue zu üben – wie es uns der Italiener lehrt: la dolce far niente. Viel Spaß beim Ausprobieren.

Was motiviert Workaholics?

Die Motivation von Workaholics besser zu verstehen, ist das Ziel einer Studie von Van den Broeck und Kollegen.

Für Workaholics spielt Arbeit eine extreme Rolle im Leben. Während auch andere Menschen lange Arbeitszeiten vorweisen, z.B. wegen Termindruck etc., zeichnen sich Workaholics durch einen starken inneren Drang zum Arbeiten aus. Sie beschäftigen sich gedanklich stark mit der Arbeit, was als kognitive Komponente des Workaholic-Konzeptes bezeichnet wird, z.B. “zwanghaftes/getriebenes Arbeiten”, “working compulsively. Das exzessive Arbeiten selbst wird als Verhaltens-Komponente bezeichnet (hierzu zitieren die Autoren vor allem Arbeiten von Schaufeli und Kollegen).
Allgemein ist bekannt, dass Workaholics häufiger erkranken als Nicht-Workaholics, und berichten vor allem mehr über Stress, Burn-out und negative Stimmung.

Als wichtige Ergebnis ihrer Studie finden Van den Broeck und Kollegen folgendes heraus: Exzessives Arbeiten ist eher autonom motiviert und kann sogar zu Wohlbefinden führen. Trotz eingeschränkter Wahlmöglichkeiten kann eine für das Wohlbefinden förderliche Motivation z.B. durch Empathie, Handlungsmöglichkeiten und Erklärungen erreicht werden. Der krankmachende Faktor hingegen liegt wohl vor allem in der kognitiven Komponente, dem kontrolliert-motivierten, zwanghaften, inneren Drang nach Arbeit. Demnach ist nicht bloß das Motivations-Ausmaß wichtig. Vor allem die Art der Motivation nimmt Einfluss auf die Gesundheitsgefährdung von Workaholics.

Quelle: Van den Broeck, A., Schreurs, B., De Witte, H., Vansteenkiste M., Germeys, F., & Schaufeli, W. (2011). Understanding workaholics’ motivations: A self-Determination perspective. Applied Psychology, 60(4), 600-621.

 

Schokolade lindert die Stressreaktivität

Das haben Forscher der Universität Zürich, Bern und des Inselspitals Bern bestätigt. Zwei Stunden nach dem Verzehr 50 g dunkler Schokolade wurden die Teilnehmer der Studie einem Stresstest unterzogen. Sie mussten vor einem Publikum eine Rede halten sowie im Kopf rechnen. Die Experimentalgruppe schüttete deutlich geringere Mengen des Stresshormons Cortisol aus als die Kontrollgruppe, die nur Placebo-Schokolade bekam. Der Grund sei, dass dunkle Schokolade (72% Kakao) reich an Flavanol ist. Flavanol zählt zu den Flavonoiden. Das sind sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe, die in Kakao, Tee und verschiedenen Früchten, wie Äpfeln, vorkommen. Die Studie zeigt, dass dunkle Schokolade die Cortisol-Stressreaktivität abpuffert und somit den Organismus schützt. Aber auch hier ist es wichtig, das richtige Maß zu finden.

Quelle: Wirtz, P., Meister, R., Arpagaus, A., Kübler, U., Kummer, P., Feijza, L., Treichler, S., Huber, S., von Känel, R., & Ehlert, U. (2012). Verminderte physiologische Stressreaktivität nach einmaliger Gabe von schwarzer Schokolade. In Psychologische Medizin, Abstractband: Deutscher Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie 2012.