Arbeitslosigkeit und psychische Belastung – Partner sind psychisch genauso belastet wie die Betroffenen selbst

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin untersuchte die psychische Gesundheit von Betroffenen vor und nach Betriebsschließungen. Das Resultat: Beide – sowohl der/die Betroffene, als auch der/die Partner/in leiden deutlich und etwa im gleichen Ausmaß. Der Gesundheitsexperte Jan Marcus der DIW-Forschergruppe betonte, dass es dabei keinen Unterschied mache, ob die Frau oder der Mann die Stelle verloren habe. Das hat Folgen für die gesundheitliche Versorgung sowie auf die Kosten für das Gesundheitssystem. Hier wurden bisher wohl nur die Betroffenen selbst berücksichtigt. Die Studie greife auf mehrere Tausend Personendaten seit ca. 30 Jahren zurück. Manko der Studie: Lediglich die ersten Monate nach Arbeitsplatzverlust werden untersucht. Die Untersuchung der Langzeitauswirkungen wären ebenfalls sehr wichtig, sowohl im Rahmen der Behandlung psychischer Erkrankungen, aber auch im Bereich des betrieblichen Gesundheitsschutzes und Prävention. Auf jeden Fall machen die Ergebnisse darauf aufmerksam, im Rahmen solch einer Belastung frühzeitig auch psychotherapeutische Unterstützung in Betracht zu ziehen – sowohl als Betroffener als auch als Partner.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt I PP I Heft 6 I Juni 2014, S. 244

Schmerz muss Schwerpunkt der Gesundheitspolitik werden – Millionenfaches Leid, enorme Kosten – Nationaler Schmerzaktionsplan nötig!

Pressemitteilung der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V.:

Berlin, 27. August 2013. Anlässlich der aktuellen Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der SPD-Bundestagsfraktion „Versorgungslage chronisch schmerzkranker Menschen“  (vgl. BT-Drs. 17/14357) fordert die Deutsche Schmerzgesellschaft, dass Bund und Länder in der nächsten Legislaturperiode ein „Nationales Aktionsprogramm gegen den Schmerz“ auflegen.
„Akute und chronische Schmerzen haben sowohl bezüglich des millionenfachen individuellen Leids, aber auch in Hinblick auf ihre volkswirtschaftlichen Lasten den Charakter einer Volkskrankheit erreicht, die Gesundheitspolitik muss hier endlich mehr als bisher handeln“, so Prof. Dr. Dr. Thomas Tölle, Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V.
Die Antworten der Bundesregierung auf die Anfrage zeigen: Zwar ist in den letzten Jahren das Thema Schmerz und Schmerztherapie mehr in das Bewusstsein der Bevölkerung gerückt und von der Politik dadurch auch stärker beachtet worden, aber statt eines Flickenteppichs der Einzelmaßnahmen muss jetzt offiziell und mit Nachdruck an einer nationalen Gesamtstrategie gearbeitet werden. Überfällig ist beispielsweise ein entschiedener Aufbau der Versorgungsforschung, etwa durch ein Deutsches Schmerzregister bei chronischen Schmerzen. Bundesweit mangelt es ebenfalls an Transparenz für Bürgerinnen und Bürger über Strukturen, Qualität und Möglichkeiten der Schmerzversorgung in Deutschland.
Zudem sollte das Thema „Schmerzen“ eigenständiger Beratungspunkt einer zukünftigen Gesundheitsministerkonferenz der Länder (GMK) sein und nachfolgend in einer Bund-Länderarbeitsgruppe umfassend aufgegriffen werden. Beispielsweise sind die Bundesländer für eine adäquate Schmerzversorgung im Bereich der Krankenhäuser zuständig, aber auch für Details der ambulanten Bedarfsplanung. Fragen des Vertragsrechts und der Qualitätssicherung müssen auf Ebene des Bundes fortentwickelt werden. Schmerzspezialisten in der Niederlassung brauchen eine ausreichende und stabile Finanzierungsgrundlage ihrer Tätigkeit.
Ein weiteres Defizit sind zwischen Leistungs-/Kostenträgern und Bundesressorts verstreute Zuständigkeitsfragen, wenn es darum geht, besondere Zielgruppenprogramme für beispielsweise Kinder, Jugendliche oder ältere Menschen aufzulegen oder aber Erwerbstätige bzw. berufsunfähige Menschen gut zu versorgen und dabei in dem großen Thema weiterzukommen, die Entwicklung chronischer Schmerzerkrankungen durch frühzeitige Maßnahmen überhaupt zu verhindern. Notwendig ist jetzt auch die engagierte Umsetzung der beschlossenen Einbindung der Schmerzmedizin als eigenes Prüfungsfach in die Lehre der Universitäten. „Der Anfang ist gemacht, es wir mit Sicherheit besser werden. Die Kleine Anfrage wird helfen, die richtigen Wege einzuschlagen“, erläutert Prof. Tölle.
Die Anfrage und Antwort der Bundesregierung können Sie über diesen Link downloaden, aber auch auf der Homepage www.dgss.org sowie auf den Servern des Deutschen Bundestags recherchieren.


Quelle: Ansprechpartener für die Presse: Thomas Isenberg, Geschäftsführer der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V., presse@dgss.org , www.dgss.org
Deutsche Schmerzgesellschaft e.V, Bundesgeschäftsstelle, Alt-Moabit 101 b, 10559 Berlin
Die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V ist mit über 3.300 Mitgliedern die größte wissenschaftliche Schmerzgesellschaft Europas. Sie ist Mitglied in der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) sowie in der IASP (International Association for the Study of Pain).
In Deutschland gibt es derzeit rund 13 Millionen Schmerzpatienten. Menschen mit chronischen Schmerzen werden zum großen Teil unzureichend behandelt und warten oftmals mehrere Jahre, bevor sie eine angemessene Behandlung erhalten. 6 – 8 Prozent der Gesundheitsausgaben entfallen auf „chronische Schmerzen“, die volkswirtschaftliche Belastung, u.a. von Arbeitsunfähigkeit etc. beläuft sich auf 20 bis 30 Mrd. Euro jährlich.

 

Verbesserung der Mindeststandards in der ambulanten Psychotherapie privatversicheter Patienten

Oftmals finden privatversicherte Patienten (PKV) schneller einer freien, ambulanten Psychotherapieplatz. Allerdings sind die vertraglichen Bedingungen – je  nach Versicherungstarif oftmals schlechter als in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Zum Beispiel stehen vielen Versicherten gemäß Ihres Vertrages nur maximal 30 Sitzungen pro Kalenderjahr zu. Dies entspricht in der Verhaltenstherapie einer Kurzzeittherapie (+ vorherige Probatorik).

Die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung berichtet, dass sich eine Arbeitsgruppe des PKV-Verbanndes seit Jahren für verbesserte Bedingungen der ambulanten Psychotherapie für privatversicherter Patienten einsetzt.
Die Arbeitsgruppe hat Mindestkriterien erstellt und zum Beispiel zum Umsetzen des Unisex-Tarifes beigetragen. Nun fordern sie als Mindeststandard einen Anspruch auf Kostenerstattung ambulanter Psychotherapie von mindestens 50 Sitzungen pro Jahr. Dies  soll eine Grundleistung für privat Versicherte ermöglichen, die zwar bei einzelnen Anbietern auch besser ausfallen kann, aber es nicht immer tut, und die die finanzielle und organisatorische Belastung in einer für den Patienten ohnehin belastenden Zeit minimieren.

Quelle: Deutsche PsychotherapeutenVereinigung: 1. Bundesmitgliederbrief 2013. Mai 2013

Hypertonie-Prävention: Muskuläres Biofeedback in der Behandlung von Prähypertonie

Prähypertonie bezeichnet eine Vorstufe der sogenannten Hypertonie, d.h. dem Bluthochdruck, und ist ein Risikofaktor für eine spätere Bluthochdruckerkrankung. Alarmierendes fanden McNiece und Kollegen von der Universität Texas-Houston in ihrer Untersuchung an mehreren amerikanischen Schulen heraus: Fast 20% jugendlicher Schüler zeigten deutliche Blutdruckauffälligkeiten (Prä- bzw. Hypertonie).
Eine wichtige Hilfestellung hierzu liefern Xu und Kollegen der Abteilung für Biofeedback (Sun Yat-Sen-Universität China). Sie zeigen in ihrer Studie mit 49 College-Studenten, dass bereits zehn Sitzungen EMG-Biofeedback den systolischen Blutdruck nachweislich senkt. Beim EMG-Biofeedback übt man, verschiedene Muskelgruppen willentlich und bewusst zu entspannen, die sich auch bei Stress anspannen, z.B. Schulter-, Rücken-, Stirn-, Kiefermuskulatur. Zudem wiesen sie eine positive Wirkung auf die sogenannte Herzratenvariabilität nach– ein Zeichen des Herzrhythmus für die Regenerationsfähigkeit des Organismus – sowie auf die Hirnströme (im EEG). Als Wirkfaktor wird der entspannende Effekt von Biofeedback betrachtet, der positiv auf den Organismus wirkt, den sogenannten Parasympathikus im peripheren Nervensystem aktiviert und dadurch die Regeneration fördert.
Die Studie zeigt eindrücklich, wie Biofeedback hilft, erhöhten Blutdruck zu regulieren  und somit gegen Hypertonie gezielt und mit relativ wenig Aufwand vorzubeugen.

Quellen: Xu, X.Y., Gao, J., Ling, D., & Wang, T.H. (2007). Biofeedback treatment of prehypertension: analyses of efficacy, heart rate variability and EEG approximate entropy. Journal of Human Hypertension (2007) 21, 973–975.
McNiece, K.L., Poffenbarger, T.S., Turner, J.lL., Franco, K.D., Sorof, J.M., & Portman, R.J. (2007).
Prevalence of hypertension and pre-hypertension among adolescents. J Pediatr. 2007 Jun; 150(6):640-4, 644.e1

Biofeedback bei der Behandlung des chronischen Erschöpfungssyndroms

Dass Biofeedback auch bei chronischen Erkrankungen wirksam ist, zeigt eine Forschungsgruppe des Universitätsklinikums Tübingen eindrucksvoll. Sie untersuchten in ihrer Pilotstudie die Wirkung von Biofeedback im Vergleich zu sportmedizinischem Bewegungstraining bei dem sogenannten chronischen Erschöpfungssyndrom, auch Chronic Fatigue Syndrome genannt. Dieses führt bei Betroffenen zu massivem Leidensdruck und durch Erschöpfung, Schmerzen, Konzentrationseinbußen etc. zu Einschränkungen in sämtlichen Lebensbereichen.

In der Studie erweisen sich sowohl Biofeedback bereits nach 8 Sitzungen, als auch sportmedizinische Bewegungstherapie als hilfreich, um Erschöpfungssymptomatik und Depressivität zu lindern und somit körperliches und psychisches Wohlbefinden zu verbessern. Besonders stabile Wirkung auch über eine längere Zeitspanne und eine deutlich höhere Akzeptanz des Verfahrens zeigen sich speziell beim Biofeedback, so Dipl.-Psych. Petra Windthorst (Abteilung für psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Tübingen).
Außerdem wird auch in dieser Studie davon ausgegangen, dass Biofeedback typischerweise die sogenannte Selbstwirksamkeitsüberzeugung, d.h. der Glaube an die eigenen Fähigkeiten, steigert und zur Symptomlinderung beiträgt.

Quelle: Windthorst, P., Kuske, M., Giel, K., Enck, P., Zipfel, S., Teufel, M. (2012). Biofeedbacktherapie vs. Sportmedizinische Bewegungstherapie bei chronischem Erschöpfungssyndrom. Vortrag auf der 12. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Biofeedback e.V., 19.-20.10.2012, München.

Therapieplatzsuche für gesetzlich Versicherte

Für gesetzlich versicherte Patienten bietet die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns zur Vermittlung von Psychotherapieplätzen eine sogenannte Patienten-Infoline.
Trotz dieser Hilfestellung ist die Suche nach einem Psychotherapie-Platz oft mit vielen Absagen und langen Wartezeiten verbunden. Aufgrund dieser Situation hat die Bundespsychotherapeutenkammer in diesem Jahr eine Broschüre zur sogenannten Kostenerstattung im Rahmen einer ambulanten Psychotherapie veröffentlicht. Die Broschüre „Ratgeber Kostenerstattung“ klärt gesetzlich Versicherte, die aufgrund langer Wartezeiten Schwierigkeiten haben, einen Therapieplatz zu finden, über alternative Möglichkeiten durch psychotherapeutische Behandlung in einer Privatpraxis auf.
Allgemeine Informationen zum Thema Pychotherapie (Ablauf, Verfahren etc.) finden sich für Patienten auf der Homepage der Psychotherapeutenkammer Bayerns.

Un-/gesunde Arbeitsbedingungen

Die Arbeitsbedingungen von Beschäftigten untersucht Rolf Haubl, Professor für psychoanalytische Sozialpsychologie mit seinen Kollegen der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt und der Technischen Universität Chemnitz, so berichtet die Frankfurter Rundschau online.

Ihre Studie beruht auf der Befragung von Supervisoren/Beratern in Unternehmen und zeigt: Erlebter Leistungsdruck scheint vorherrschend (ca. 90% mit Tendenz steigend im Vergleich zu Studienergebnissen aus früheren Jahren). Auffällig sei, dass viele Beschäftigte sich nicht ausreichend gewürdigt und gelobt fühlen. Aus mangelnder Leistungsgerechtigkeit entstehe Überforderung. Aus Überforderung und mangelnder Anerkennung entstünden wiederum psychische Belastungen, depressive Symptome und Erschöpfungssymptome/Burnout.

Vier Faktoren können psychische Erkrankungen abpuffern, so Haubl: Soziale Anerkennung, Leistungsgerechtigkeit, Kollegialität und Führungskompetenz.
Soziale Anerkennung meint das Gefühl zu erhalten, wichtig, nützlich und wertvoll zu sein. Es bedeutet, als Person gesehen zu werden, z.B. vom Vorgesetzten mit dem Namen angesprochen zu werden oder zum Geburtstag gratuliert zu bekommen.
Leistungsgerechtigkeit bedeutet, angemessene Bezahlung zu erhalten. Auch die Bezahlung von Überstunden zählt hierzu. Als weitere Faktoren benennt Haubl Kollegialität und Führungskompetenz, d.h. Orientierung sowie Halt durch die Führungskraft.

Aufgrund der wirtschaftlichen Lage und damit erlebter Unsicherheit steigt jedoch aus Angst vor der Arbeitslosigkeit die Bereitschaft zur Selbstausbeutung. Es käme zu sogenanntem Präsentismus. Das bedeutet, dass Angestellte sich bei Krankheit nicht auskurieren, sondern trotzdem bei der Arbeit erscheinen, um nicht negativ aufzufallen.
Um solchen sowohl Personen, als auch ein System krankmachenden Bewegungen entgegen zu wirken, rät Haubl zu nachhaltiger Personalpolitik.

So zeigt auch diese Untersuchung ganz akut, dass Gesundheitsmanagement auf allen Unternehmensebenen eine wichtige Maßnahme in Unternehmen darstellt. Gleichzeitig ist jeder einzelne auch in seiner Eigenverantwortung und Selbstfürsorge gefragt.

Quelle: http://www.fr-online.de/campus/burnout–stress-und-depression-wenn-arbeit-krank-macht,4491992,16939526.html

Mit Gelassenheit nichts tun

Es ist Urlaubszeit und endlich haben wir Zeit, ein gutes Buch zu lesen, etwas mehr Sport zu treiben, Hausarbeit zu erledigen, den Keller zu entrümpeln, Freunde einzuladen und auch ein bisschen nichts zu tun. Das ist das, was sich wohl die meisten Menschen vornehmen. Doch meistens tun wir von allem ein bisschen und am meistens von nichts. Nur bedauerlich, dass einen dabei oft das schlechte Gewissen quält – so sehr, dass sich die Süddeutsche Zeitung in ihrer „Gefühlten Wahrheit“ damit beschäftigt. Oder wie es die Mindfulness-Bewegung nach Kabat-Zinn anstrebt: Sich wirklich nur auf das konzentrieren, was man gerade tut – in dem Fall eben nichts. Da wäre es doch ein gutes Urlaubsvorhaben, Nichtstun frei von Reue zu üben – wie es uns der Italiener lehrt: la dolce far niente. Viel Spaß beim Ausprobieren.

Kognitive Verhaltenstherapie bei sozialen Ängsten: Eine positive Erwartungshaltung hilft!

Die selbsterfüllende Prophezeiung ist etwas, was jeder aus dem Alltag kennt: Ich habe eine Erwartung an etwas und dementsprechend trage ich durch mein von der Erwartung beeinflusstes Verhalten dazu bei. Negativ ausgedrückt: „War ja gleich klar, dass das nichts wird.“ Und umgekehrt funktioniert es auch! Systematische Untersuchungen zu diesem Effekt bei der kognitiven Verhaltenstherapie sozialer Ängste sind bisher relativ selten, weshalb sich die Wissenschaftler Price & Anderson in ihrer Studie damit beschäftigten und „erwartungsgemäß“ zeigen: Eine positive Erwartungshaltung an den eigenen Therapieerfolg im Rahmen kognitiver Verhaltenstherapie wirkt: So waren soziale Ängste vor öffentlichem Reden statistisch stärker reduziert und gebessert als bei Betroffenen mit niedrigerer Erfolgserwartung.

Quelle: Price, M. & Anderson, P.L. (2012). Outcome expectancy as a predictor of treatment response in cognitive behavioral therapy for public speaking fears within social anxiety disorder. Psychotherapy, 49,2, 173-179.

Exposition bei Panik: Üben lohnt sich!

In der Behandlung von Panikstörungen hat sich die kognitive Verhaltenstherapie bereits in vielen Untersuchungen als wirksam erwiesen. Die Therapie setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen: Grundlage bilden Informationen zur Panikstörung (sogn. Psychoedukation), das Verstehen der eigenen, ganz individuellen Störungsentwicklung, kognitive, d.h. mentale Strategien, im Umgang mit der Angst sowie die Bearbeitung der Lernmuster im eigenen Leben.
Ein weiterer, sehr wichtiger Therapiebaustein, um Panik und Angst zu bewältigen, ist die sogenannte Exposition. Sie bildet die verhaltensbezogene, d.h. die sogenannte behaviorale Komponente der Verhaltenstherapie. In der Exposition konfronitiert sich der Betroffene mit Unterstützung des Psychotherapeuten und anfangs in seiner Begleitung mit Situation/en, die Angst auslösen.

Anteil und Ausmaß von Expositionsübungen in Therapien variieren jedoch sehr. Wambach und Rief stellten sich die Frage, wie hoch der Nutzen von mehr oder weniger Exposition in einer wirksamen Therapie ist. In ihrer aktuellen Studie verglichen sie 2 Therapiegruppen in einem stationären, kognitiv-verhaltenstherapeutischen Gruppen-Programm für Patienten mit Panikstörung. Die eine Patientengruppe führt einen Tag lang therapeutisch begleitetes Expositionstraining durch, die andere Gruppe übte zwei Tage. In beiden Gruppen besserten sich die Symptome ganz deutlich. In der Gruppe mit dem größeren Expositionsumfang waren die Therapieerfolge nach einem Jahr zudem noch stärker als bei der anderen.

Die Studie belegt erneut die Wirksamkeit kognitiv-verhaltenstherapeutischer Behandlung, und zeigt, dass sich ein erhöhter Aufwand für Expositionsübungen lohnt.
Das ist gut zu wissen, denn für Betroffene ist gerade die Angst vor der Exposition sehr groß und unter Umständen sogar ein Hinderungsgrund, sich für eine Verhaltenstherapie zu entscheiden. Daher liefert die Studie auch wichtige Ergebnisse für die Therapiemotivation.

 
Quelle: Wambach, K. & Rief, W. (2012). Effekte kognitiver Verhaltenstherapie bei Panikstörung: Mehr Exposition bringt stabilere Therapieerfolge. Verhaltenstherapie, 22(2), 95-105.